Telefon 043 321 34 34, info@biomedica.ch Login
 

"Ich möchte mit Tuina etwas bewegen"

Jürgen Schroll ist langjähriger TCM-Therapeut und Experte auf dem Gebiet der Tuina-Therapie. Er ist publizierter Autor zum Thema und nach wie vor begeisterter Anwender dieser Methode. Am 2. und 3. Juli gibt er eine Weiterbildung vor Ort in der Biomedica Zürich mit dem Fokus «Burnout und Gynäkologie in der Tuina-Therapie».  

Tuina ist eine manuelle Methode und wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Mittels verschiedener manueller Techniken wie Schieben, Greifen, Drücken, Reiben, etc. und der Behandlung bestimmter Punkte werden Ungleichgewichte im Leitbahn- und im Organsystem gemäss der TCM-Lehre angegangen. Jürgen Schroll arbeitet seit rund 20 Jahren in seiner Praxis und nutzt die Tuina häufig als Therapieform: «Ich bin der manuelle Typ. Das Handwerkliche hat mich schon immer angesprochen. An der Tuina-Methode gefällt mir, dass ich Erfolge erzielen kann, die sofort sichtbar sind. Sie lässt sich zudem sehr gut mit dem modernen Denken kombinieren, weil auch myofasziale Verfahren einfliessen. Deswegen der Hang zu dieser dynamischen Methode», erklärt der Buchautor.

 

J. Schroll, Atlas Tuina, Elsevier Verlag 2013, München

 

«Tuina-Therapeuten brauchen viel Einfühlungsvermögen für das Gewebe», erklärt er. «Sie müssen erkennen, womit sie es zu tun haben.» Dabei sei wichtig zu erkennen, ob die Person gemäss der TCM-Denkweise in einem Fülle- oder Leere-Zustand ist und welche Art von Blockade vorliegt. In der chinesischen Medizin kann das eine Qi-Stagnation, eine Blut-Stase oder auch Feuchtigkeit sein. «Ich kann mit Tuina sehr gut Qi und Blut bewegen und den Energiefluss ausrichten. So löse ich sehr effektiv und nachhaltig Blockaden und fördere die Selbstregulation des Systems.», erklärt Jürgen Schroll.


Schlaflosigkeit im Burnout und angepasstes Tuina in der Schwangerschaft

Burnout und Gynäkologie sind häufig auftretende Themen im Praxisalltag. «Obwohl man bei Burnout-Patienten oft davon ausgeht, dass sie völlig erschöpft und leer sind, liegt meist auch viel Stagnation vor», erklärt der Biomedica-Dozent. «Ich muss also bewegen, obwohl Leere besteht. Dort ist es die Kunst einer guten TCM-Therapie, das richtige Maß zu finden: Wieviel Dynamik lasse ich einfliessen und welcher Grad an Sanftheit ist angebracht, d.h. die Behandlungsprinzipien „bewegen – tong“ und „tonisieren – bu“ sind entsprechend zu kombinieren.» In vielen Fällen sind die Betroffenen sehr unruhig und leiden unter Schlaflosigkeit. «Ich führe die Kursteilnehmenden dann gerne in eine zerstreuende Gesichtsmassagetechnik ein, welche in solchen Fällen meist sehr erfolgreich in Kombination mit absenkenden Punkten und Techniken wirkt».


Da bei Frauen aufgrund der Menstruation häufig Schmerzthematiken oder bei reiferen Personen auch Wechseljahrbeschwerden mit leerer Hitze vorliegen, dient die Tuina hier ebenfalls als effektive Massnahme (bewegen, zerstreuen, absenken). Häufig führen auch Einnahmen der Mini-Pillen oder die Hormonspirale zu Fülle-Blockaden und Amenorrhoe, die ein starkes Bewegen erfordern. Jürgen Schroll möchte den Therapeuten die Angst für Tuina-Behandlungen bei Schwangeren nehmen: «Selbstverständlich berücksichtigen wir immer, wie stark die haltende Kraft der Mitte ist, prüfen den Schwangerschaftsverlauf und achten darauf, dass kein starkes Absenken stattfindet. Beschwerden wie Rückenschmerzen, Verdauungsstörungen oder Übelkeit können auch in der Schwangerschaft mit Hilfe einer gezielten Tuina-Strategie gelindert werden», erklärt der Tuina-Experte.
 

Zum Dozenten

Jürgen Schroll hat ursprünglich in Wien an der Universität für Bodenkultur, Lebensmittel- und Biotechnologie studiert und 1992 als Dipl.-Ing. abgeschlossen. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Umweltbiotechnologe und Lebensmitteltechnologe in Salzburg, hat er die Prüfung für Heilpraktiker (Amtsarzt in München) im Jahre 2000 abgelegt und gleichzeitig mit der Ausbildung zur Chinesischen Medizin begonnen. Während eines einjährigen Aufenthaltes in Shanghai lernte er die chinesische Sprache und nahm Privatunterricht in Tuina Therapie. Anschliessend hat er in München Diplome für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit den Methoden Akupunktur und Tuina erworben sowie in Wien für chinesische Diätetik. Seit 2000 ist er in der eigenen Praxis tätig und ist Autor des Buches «Atlas Tuina». Mehr zu Jürgen Schroll unter: https://www.schroll-praxis.de

 

2./3.Juli: Burnout und Gynäkologie in der Tuina-Therapie