info@biomedica.ch / 043 321 34 34   Campus-Login
 

Wenn Strom Schmerzen lindert

Die Elektroakupunktur hat sich bei Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nach Unfällen oder Operationen als effektive Methode etabliert. Zudem wird sie äusserst erfolgreich auch bei peripheren Lähmungen eingesetzt. David Mück ist erfahrener Elektroakupunkteur und Dozent an der Biomedica Zürich. Am 19. Juni gibt er einen Kurs zum Thema. Wie die Elektroakupunktur wirkt und was ihre Vorteile sind, erklärt er im folgenden Beitrag.

«Vereinfacht gesagt wird bei der Elektroakupunktur die Wirkung der gewählten Akupunkturpunkte verstärkt», erklärt David. «Ebenso erweicht die Elektroakupunktur das Gewebe, löst Verhärtungen und wirkt meiner Erfahrung nach bei verklebten Narben deutlich effektiver als Akupunktur ohne elektrische Stimulation.» Zudem wirke es schneller schmerzstillend. Früher sei David dieser Methode sehr skeptisch gegenübergestanden. «Ich habe immer gedacht, ich brauche doch kein solches ‘Gerätli’, schliesslich mache ich Chinesische Medizin». Bis er eines Tages eine Weiterbildung bei einem bekannten Sportakupunkteur gemacht hat und im Anschluss darauf deutliche Unterschiede bei seinen Patientinnen und Patienten erfahren durfte. «Auch meine Kursteilnehmenden berichten mir häufig von ähnlichen Erfahrungen», erzählt David.

 

/

 

«Im Gegensatz zu TENS-Geräten mit Patches auf der Haut, bringen die Nadeln den Strom direkt ins Zielgewebe, das heisst zum Beispiel auch in die tieferliegende Muskelschichten», erklärt der Biomedica-Dozent. Zudem ermögliche die Elektroakupunktur vor allem auch das lokale Arbeiten während akuten Schmerzen. «Bevor ich die Elektroakupunktur als Methode kennengelernt habe, arbeitete ich für die Schonung des Patienten möglichst atraumatisch mit Fernpunkten oder Mikrosystemen.» Die Elektroakupunktur sei hingegen gut verträglich und könne in der Stärke jederzeit angepasst werden. «Die Therapieerfolge für lokale Beschwerden sind mit nichts zu vergleichen», erzählt David.


Da die Elektroakupunktur mit Wechselstrom arbeitet und den Strom nicht - wie oft falsch angenommen - von einer Nadel zur anderen leitet, könne man sich die Wirkung in etwa so vorstellen: Die Elektronen im Körper fangen in der Matrix des Gewebes an sich hin und her zu bewegen. Dieses Hin- und Herpendeln hat eine Wirkung auf den Zellstoffwechsel. Die Durchblutung und die Hormonausschüttung werden angeregt. Auch Nerven leiten ihre Impulse durch Strom weiter. Liegt eine Schädigung des Nervs vor, kann es durch die Reizung zum stetigen Weiterleiten von Impulsen kommen und chronische Schmerzen verursachen. In diesem Fall kann die Elektroakupunktur eine Art «Reset»-Funktion ausüben und so einen Unterbruch im ständigen Feuern des gereizten Nervs auslösen.  

 

 

Kann Lähmungen lösen und Heilprozesse unterstützen

Die Elektroakupunktur wendet David in seinem Praxisalltag auch bei peripheren Lähmungen an. «Wenn zum Beispiel der Nervus radialis durch einen Oberarmbruch geschädigt ist und dies eine motorische Lähmung mit einer Fallhand zur Folge hat, kann ich mit der Elektroakupunktur die Muskeln stimulieren, welche normalerweise von diesem Nerv angesteuert werden», erklärt der langjährige TCM-Therapeut. Dies führe oftmals zu einer Wiederherstellung der nervlichen Funktion. «Es ist sehr beeindruckend. Vor allem bei jungen Patienten sind die Behandlungserfolge unmittelbar nach der ersten Sitzung ersichtlich». David behandelt durch seine Tätigkeit für die Policlinic für Chinesische Medizin, welche an das See-Spital Horgen angegliedert ist, auch sehr viele Patientinnen und Patienten nach Schulter- oder Knieoperationen. «Diese Patientinnen und Patienten kommen direkt postoperativ zu uns in Behandlung. Die Sport-Akupunktur mit der Elektrostimulation ist zu einem festen Bestandteil der Behandlungskette geworden. Die Rehabilitationszeit kann dadurch oftmals verkürzt werden», erzählt David.

Den Kurs an der Biomedica Zürich empfiehlt David Therapeutinnen und Therapeuten, welche gerne am Bewegungsapparat arbeiten. Durch die klare Messbarkeit der Methode, bestehe auch ausreichend wissenschaftliche Literatur zum Thema. «So wie ich eine Lokalbehandlung bevorzuge, sollte ich an diese Methode denken», sagt der erfahrene Elektroakupunkteur. Bei myofaszialen Problemen sei die Elektroakupunktur das Verfahren der Wahl. «Häufig kann man mit der Elektroakupunktur noch etwas bei Patienten bewegen, bei denen man mit der konventionellen Akupunktur nicht mehr weiterkommt.»

 

Zum Dozenten

David Mück hat in seiner Erstausbildung den Abschluss als Pflegefachmann gemacht und nach mehrjähriger Tätigkeit im Gesundheitswesen das Studium an der Biomedica Zürich für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) absolviert. Er ist diplomierter Akupunkteur, Herbalist, Faszienspezialist und hat an der Donau Universität in Krems den Master of Science in TCM erworben. Seit mittlerweile 10 Jahren ist er Teil des Teams an der Policlinic für Chinesische Medizin am Spital Horgen und ist dort auf die Gebiete Bewegungsapparat und Sportmedizin spezialisiert. Mehr dazu unter: www.policlinic.ch 

 

19. Juni: Elektroakupunktur in der Schmerztherapie