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Ein Auge für Notfälle

Ob Herzmassage, Bewusstlosenlagerung oder Umgang mit Vergiftungen – Sandra Künzi kennt sich mit Notsituationen aus. Durch ihre langjährige Erfahrung als Samariterin im Verein und bei der Feuerwehr sowie ihrer Tätigkeit im Kinderspital St.Gallen hat sie schon mehrfach Erste-Hilfe-Einsätze geleistet. Als neue Dozentin an der Biomedica Zürich bringt sie ihr Wissen nun den Studierenden näher und schult dabei deren Auge für alle Arten von Notsituationen – wie etwa unscheinbare Herzinfarkte.

Sandra, heute endet der erste Block des Kurses «Erste Hilfe, Hygiene & Entwicklung (EHE)», den du in deiner neuen Rolle als Dozentin an der Biomedica Zürich unterrichtest. Aufgrund Corona fand dieser Kurs online statt. Wie hast du diesen etwas ungewöhnlichen Einstieg erlebt?

Es war schon eine gedankliche Umstellung und hat auch mehr Vorbereitungszeit in Anspruch genommen. Durch die Unterstützung meines Mannes konnte ich mich an die technischen Herausforderungen wagen und ich denke es ist bis anhin ganz gut gegangen. Meine Familie durfte dadurch auch ihr schauspielerisches Können für Demonstrations-Videos erproben. Leider blieben die praktischen Übungen bis anhin aus, welche wir mit den Studierenden nach dem Lockdown nachholen werden.

 

 

Wieso begeisterst du dich so sehr für das Thema Nothilfe?

Eine Art Schlüsselerlebnis war eine Notsituation in meiner Jugend. Ich war mit meinem Mann in Kanada auf einer Reise und als wir in einer abgelegenen Gegend waren, hatte es im Chalet nebenan eine Gruppe Frauen, wovon eine plötzlich einen Kreislaufzusammenbruch hatte. Vom Judo her kannte ich ein paar lebensrettende Methoden, welche ich damals so einsetzen konnte, dass es bis zum Eintreffen des Notfallwagens reichte. Diese Erfahrung hinterliess einen bleibenden Eindruck bei mir. Von da an begann ich, mich in diesem Bereich stärker weiterzubilden. Es ist auch ein sehr gutes Gefühl, in lebensbedrohlichen Situationen kompetent Hilfe leisten zu können. Und das gilt nicht nur für unterwegs. Notsituationen können immer und überall passieren - auch daheim. Vor allem wenn man Kinder hat ist das ein Thema. Und natürlich kann ich durch dieses Wissen auch in meiner TCM-Praxis in einem Notfall korrekt handeln.

Was war während deinen Samariter-Einsätzen eine einprägsame Erfahrung?

Ich war im Verlauf der letzten Jahre viel für Openairs tätig. Das Openair St.Gallen findet in einem tiefen Flusstal statt. Eine Besucherin fiel von einer grossen Höhe herunter und stand dadurch blutüberströmt in unserem Zelt. Dieses Bild hat sich mir ziemlich stark eingeprägt. Glücklicherweise konnten wir gute Notversorgung leisten. Es geht ihr heute gut.

Was lernen die Studierenden bei dir?

Selbstverständlich lernen sie typische Elemente eines Erste-Hilfe-Kurses wie das BLS-AED-Schema, wichtige Notfallnummern, die Herzmassage, die Defibrillator-Nutzung, sowie die Bewusstlosenlagerung. Zudem wird dies auch für Babys und Kleinkinder vermittelt. Unter anderem sind in diesem ersten Kurs-Block Themen enthalten wie Vergiftungen, Wundversorgung, Knochenbrüche und auch Drogen. An den Openairs beispielsweise waren Drogenexzesse und ihre unmittelbaren Folgen häufig Grund für einen Einsatz. Darunter fielen auch ungewollte Drogeneinnahmen. Ich habe rund 14 Jahre lang für die Soforthilfe vergewaltigter Frauen gearbeitet und bin dadurch für das Thema K.O.-Tropfen sehr sensibilisiert. In erster Linie ist es wichtig, dass die angehenden Therapeuten erkennen, wann ein Notfall vorliegt, um in diesem Moment gezielt reagieren zu können. Da Naturheilpraktiker mit eidg. Diplom die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sind, müssen die Studenten für das Erkennen ganz unterschiedlicher Notfälle geschult sein. Beispielsweise kann ein Herzinfarkt auch milder ablaufen als man es in den Filmen sieht. Im Unterricht behandeln wir das Erkennen dieser Feinheiten und wann die Überweisung an einen Arzt bzw. eine Notfallstation notwendig wird.

 

Zur Dozentin

Sandra Künzi hat das Studium für biomedizinische Analytik abgeschlossen mit Spezialisierung auf Zytologie und Krebsdiagnostik. Sie war während vielen Jahren für das Kinderspital St.Gallen tätig und war rund 15 Jahre als Samariterin im Einsatz. Seit 2017 ist sie in ihrer eigenen TCM-Praxis als Therapeutin tätig (www.mittigstark.ch).